27.10.2019

28. zentrale Jubilarehrung des Chorverbands Siegerland in der Kulturhalle Richerfeld

Wo man singt, „zählen nicht Herkunft, Vermögen oder Lebensalter, sondern zählt allein die Stimme“. Und die ermögliche eine Verständigung über Sprachbarrieren und Grenzen hinweg, sagte Gert Bruch, Vorsitzender des Chorverbands Siegerland, zur Begrüßung der Gäste, die zur 28. zentralen Jubilarehrung am Sonntagmorgen in die Kulturhalle Richerfeld in Eiserfeld gekommen waren. Geehrt wurden Jubilare aus den Mitgliedschören für langjähriges Singen im Verein sowie Vorstandsmitglieder für ihre ehrenamtliche Arbeit. „Wertschätzung, Respekt und Dank“ zollte den Jubilaren Bruchs Vorstandskollegin Manuela Deckert, die die Feier moderierte.
Wer im Chor singt, möchte „Kultur nicht nur konsumieren, sondern produzieren“, erklärte Bruch. Seinen Worten war schon ein schönes Stück Kultur-Produktion vorausgegangen: Der Gesangverein Concordia 1882 Eiserfeld unter der Leitung von Musikdirektor ICV Michael Bertelmann grüßte die Anwesenden mit den Liedern „Der Weg“ von Herbert Grönemeyer und „You Raise Me Up“.
„Singen ist die eigentliche Muttersprache des Menschen“, zitierte die stellv. Landrätin und Schirmherrin der Veranstaltung, Jutta Capito, in ihrem Grußwort den großen Geiger Yehudi Menuhin. „Singen verbindet, Singen heißt Völkerverständigung.“ Doch auch fürs individuelle Wohlbefinden eignet sich das Hobby, das für viele mehr als das sei, nämlich eine Leidenschaft: „Singen gibt viel zurück“, sagte Capito. Siegen-Wittgenstein sei „eine echte Chorregion, auf die wir stolz sein können“. Sie ermutigte dazu, bei der Suche nach neuen Mitgliedern nicht müde zu werden, und appellierte an die anwesenden Sängerinnen und Sänger, die Leidenschaft fürs Singen weiterzugeben an die nächste Generation.
Die junge Generation im Chorverband, die für fünf und zehn Jahre aktive Mitgliedschaft in einem Chor geehrt werden sollte, hatte sich größtenteils entschieden, der Feier fernzubleiben. Doch Alexandra Jung, Svenja Laube und Emilia Schneider von den Musi(K)ids im GV Einigkeit 1887 Herzhausen waren da und nahmen ihre erste Auszeichnung durch den Chorverband (fünf Jahre) entgegen.
Auch Siegens Bürgermeister Steffen Mues sprach in seinem Grußwort die Nachwuchsarbeit an und freute sich, dass sie Früchte trage, weil wieder mehr Kinder im Chor sängen. Er erinnerte an die Chöre, die auf höchstem Niveau singen – an die Meisterchöre, die alle fünf Jahre ihren Titel verteidigen wollen. Gute Stimmen und harte Arbeit erfordere das, Disziplin und einen enormen Zeitaufwand. „Aber man kann auch im Chor singen, weil es Spaß macht“, sagte Mues. „Siegen und Singen gehören fest zusammen“, die Stadt unterstützte „ihre“, also die städtischen Chöre mit einem Zuschuss aus dem Kulturfonds, denn sie leisteten Wichtiges für die Ortsgemeinschaft, etwa bei Geburtstagen oder Vereinsfesten oder wie am 3. Oktober bei der Feier zum Tag der Deutschen Einheit das Vokalensemble Akzente.
Mues’ Gedanken zum Chorgesang und seine Würdigung des kulturellen und sozialen Beitrags, den die Chöre leisten, teilen sicher auch die anwesenden Bürgermeister oder ihre Stellvertreter aus den Kommunen des Siegerlands. „Siegerland ist Sängerland“, so schloss das Siegener Stadtoberhaupt alle mit ein.
„Noten auf dem Papier – oder (wie bei Chorleiter Bertelmann) auf dem Tablet – allein wären leere Hülsen, gäbe es nicht die Menschen, die dem Chorgesang Gesicht und Stimme geben“, sagte der Bundestagsabgeordnete Volkmar Klein in seiner Laudatio. Es gelte, die Jubilare zu ehren und ihnen zu gratulieren – gratulieren könnten wir auch „uns als Gesellschaft, dass wir solche Menschen haben“. Klein wies insbesondere auf diejenigen hin, die „die Sache in die Hand nehmen, Leute begeistern und mitnehmen, auch mal Streit schlichten“: Vorstände und Chorleiter. Diese Arbeit werde oft im Hintergrund geleistet und ernte auch schon mal Kritik, daher galt sein herzlicher Dank auch allen Vorständen in den Vereinen. Für 25 bzw. 20 Jahre Vorstandsarbeit erhielten die Ehrenamtler die Verdienstplakette des Chorverbands Nordrhein-Westfalen in Silber bzw. Bronze.
Klein hat gar nichts gegen Projektchöre, die etwa zu Ortsjubiläen zusammenfänden und Schönes leisteten, aber es brauche auch organisierte Strukturen – und insgesamt mehr Wertschätzung für das Ehrenamt. Aus diesem Grund habe die Bundesregierung die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt ins Leben gerufen. „Ich würde mir wünschen, dass die Geehrten ihre Arbeit weiter tun, denn sie dient der Gesellschaft“, so Klein abschließend.
Nach dem Auftritt des gemischten Chors Zeitgeist unter der Leitung von Chordirektor FDB Dieter Ohm („Every Time I Feel The Spirit“ und „La Cucaracha“) hatten Volkmar Klein und Jutta Capito dann alle Hände voll zu tun, denn sie zeichneten die verdienten Sängerinnen und Sänger für 70, 65, 60, 50, 40 und 25 Jahre aktive Vereinsmitgliedschaft aus. Die Ehrung für Robert Müller von der Chorgemeinschaft Kreuztal, der im Dezember 99 Jahre alt wird, für 80-jährige Mitgliedschaft sei bereits im Frühjahr erfolgt, informierte Gert Bruch. Für ihn gab es in diesem Jahr auch eine Auszeichnung: Der Verbandsvorsitzende ist seit 20 Jahren Pressereferent des Chorverbands. Ebenfalls aus dem Kreisvorstand wurde geehrt Gerhard Schneider. Er feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Chorleiterjubiläum und sein 25-Jähriges als Kreischorleiter im Vorstand des Chorverbands Siegerland. Zwischen den Ehrungen hatte der Männerchor 1853 Eiserfeld, wie der Chor Zeitgeist geleitet von Dieter Ohm, seinen Auftritt. Die Männer sangen „Schöne Nacht“ und „Bènia Calastoria“.
Am Schluss erhoben alle Sängerinnen und Sänger im Saal ihre Stimme – weil sie es können. Mit dem Volkslied „Kein schöner Land“ ging die zentrale Jubilarehrung 2019 zu Ende.

 

Bericht mit freundlicher Genehmigung der Siegener Zeitung (Redakteurin: Regine Wenzel)!
Fotos: © 2019 by Regine Wenzel (SZ) & Jürgen Bruch